Sonderausstellung

Die Rolle der Eisenbahn im Leben der Osttiroler Bevölkerung nach 1918

Neuorientierung nach 1918

Die heutige Drautalbahn setzt sich aus der Kärntnerbahn (Marburg – Villach) sowie dem östlichen Teil der ursprünglichen Pustertalbahn (die von Lienz bis Franzensfeste reichte) zusammen. Ihre jetzige Bezeichnung erhielt sie nach dem Zerfall der Donaumonarchie und infolge der Teilung der Pustertalstrecke in einen italienischen Teil nach 1918.

„Wenn ich einmal groß bin, werd`ich Lokomotivführer!“ Der Beruf des Eisenbahners ist vielfältig und hat sich im letzten Jahrhundert – bedingt durch neue technische Entwicklungen – gravierend verändert. Eine fundierte Ausbildung und ständige Schulungen sind Grundlage für jeden Berufsbereich.

Das Sprichwort „Wer nix is und wer nix kann, der geht zu der Eisenbahn!“ hat wohl schon sehr lange keine Gültigkeit mehr.

Themenschwerpunkte

Mobilität

Durch die Abtrennung Südtirols vom Rest Tirols (1919) verlor die Pustertalbahn fast zur Gänze an Bedeutung. Erst nach der Rückkehr Osttirols vom Gau Kärnten (1947) erlangte die Pustertalbahn wieder eine gewisse Belebung. Wichtig war die Verbindung von Lienz in die Landeshauptstadt. 1948 setzte sich der erste Triebwagen als „Korridorzug“ in Bewegung. Erst 1996 war es möglich, auf italienischem Staatsgebiet ein- und auszusteigen. Endgültig eingestellt wurde dieser Zug im November 2010.

Handel – Transport – Fremdenverkehr

Von der Bahn erwartete man sich ursprünglich viele Vorteile. Für die einheimische Bevölkerung waren dabei nicht so sehr gesamtstaatliche Überlegungen hinsichtlich Verkehrskonzept oder strategischer Bedeutung von Belang, man erhoffte sich vielmehr einen regionalen wirtschaftlichen Aufschwung, einerseits durch Transport von Holz und Vieh, andererseits durch den Fremdenverkehr. Diese Hoffnungen erfüllten sich bis zum Einbruch des 1. Weltkrieges. Obwohl die Zugförderstelle Lienz bis 1962 noch einige Lokomotiven stationiert hatte, nahm sie ständig an Bedeutung ab. Einen neuerlichen Aufschwung erlangte sie erst wieder in den 90iger Jahren mit dem Beginn des Fahrradbooms (in Spitzenzeiten bis zu 5000 Fahrradgäste pro Tag) und der Entwicklung der Holzindustrie.

Eisenbahner – ein Beruf wie kein anderer

Den Beruf „Eisenbahner“ kann man nicht erlernen, aber viele Berufssparten finden Eingang wie: Schlosser, Tischler, Elektriker, Schmied, Maler, Glaser, Gärtner, Koch, …

„Heirate einen Eisenbahner und du bist versorgt“. Die staatlichen Eisenbahnen waren für ihre pünktliche Zahlweise bekannt. Viele Ehen wurden aus diesem Grund geschlossen. 1910 verzeichnete man doppelt so viele Einwohner (4000) als 1871 allein in Lienz. Um der Wohnungsnot Einhalt zu gebieten wurde die Eisenbahner-Siedlungsgenossenschaft (ESG) gegründet, die den sozialen Wohnbau vorantrieb.

Soziale Veränderungen in der Gesellschaft

War Osttirol geprägt vom Bauern- und Bürgertum so gesellte sich mit Errichtung der Bahn eine vorwiegend sozialistisch orientierte neue Gesellschaft dazu. Viele Vereine wurden durch „Eisenbahner“ ins Leben gerufen und prägen bis heute das Vereinswesen in Osttirol mit.

Veränderung der politischen Lage

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges und besonders mit dessem Ende – der Auflösung des Vielvölkerstaates – veränderte sich in ganz Europa die wirtschaftliche und politische Lage dramatisch. Auch viele Bahnbedienstete verloren Ihre Arbeitsplätze und mussten sich in ihren ursprünglich erlernten Berufen wieder neu beweisen.

Was gibt es in der Ausstellung zu sehen?

– Viele Bilder aus vergangenen Zeiten, auch solche, auf denen ehemalige Mitarbeiter des Heizhauses abgebildet sind. Wir hoffen, dass mit Ihrer Mithilfe einige davon erkannt werden können.

– Eine sensationelle Luftaufnahme aus den 30iger Jahren

– Eisenbahnverkehr im Modell (H0)

– Exponate der Eisenbahner Stadtkapelle Lienz, dem E.S.V. und dem Verein ÖBB-Landwirtschaft